Seit einer Woche ist es so weit: Unsere erste Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex ist online!

Viele kennen das: Für die eigene Sache bedarf es oft mehr Ehrgeiz. Nun sind wir stolzer DNK-Anwender Nr. 234!

Den Prozess der Erstellung der DNK-Entsprechenserklärung haben wir als Anlass genommen, noch einmal über unsere Geschäftstätigkeit nachzudenken und unsere Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln. So haben wir im Rahmen einer Wesentlichkeitsanalyse 27 Stakeholder befragt, welche Nachhaltigkeitsaspekte für unser Unternehmen wichtig sind. Das Ergebnis: Drei Handlungsfelder mit jeweils drei Nachhaltigkeitszielen!

 

 

Die Ziele und strategischen Maßnahmen in der Nachhaltigkeitsstrategie sehen wir als eine Ergänzung zu unseren tagtäglichen Aktivitäten. Wir beraten, begleiten und befähigen Unternehmen und Organisationen auf ihrem eigenen Weg zur Nachhaltigkeit. Damit wollen wir als Unternehmen einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen und unseren Beitrag zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung leisten!

Seit 2015 sind wir Schulungspartner vom Rat für Nachhaltige Entwicklung und bieten Infoveranstaltungen und Seminare zum DNK an. Wir haben bis heute 15 Veranstaltungen durchgeführt, über 300 Teilnehmer erreicht und 12 Unternehmen bei der Umsetzung des Nachhaltigkeitskodex unterstützt.

Umso mehr freuen wir uns, dass wir auch zu den DNK-Anwendern gehören. Wasser predigen und Wasser trinken! Unsere Entsprechenserklärung ist  hier zu sehen. Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen!


Ende 2016 haben sich 27 Stakeholder an unserer Umfrage zum Thema „Nachhaltigkeit in der Nachhaltigkeitsberatungsbranche“ beteiligt. Eine der Fragen bezog sich auf die wesentlichen Themen und Aspekte der Geschäftstätigkeit von Nachhaltigkeitsberatern. Die Ergebnisse im Überblick

Kundenthemen an der Spitze

Sowohl aus externer als auch aus interner Sicht sind vor allem zwei Kundenthemen hervorzuheben: Transparenz von Produkten und Dienstleistungen und Schutz von Kundendaten. Zum einen sind dies zwei typische Themen für Nachhaltigkeitsberater. Zum anderen – und das ist immer die Spannung in der Branche – stehen Transparenz und Vertraulichkeit in Widerspruch. Dies bezieht sich unter anderem auf den Wunsch vieler Geschäftspartner, die Art und den Umfang der in Anspruch genommenen Leistungen vertraulich zu behandeln und das Bestreben der Nachhaltigkeitsberater mit ihren Referenzen nach außen zu werben.

Arbeitnehmerthemen dicht daran

Von den arbeitnehmerbezogenen Aspekten wird vor allem das Thema Beschäftigung und Beschäftigungsverhältnisse für sehr wichtig empfunden. Dies hängt möglicherweise mit dem Ruf von Beratungsunternehmen und Agenturen zusammen, viel von ihren Mitarbeitern abzuverlangen. Zudem wurden aus externer Sicht die Themen Vielfalt und Chancengleichheit sowie Aus- und Weiterbildung als sehr relevant bewertet.

Wirtschaftliche Faktoren spielen aus interner Sicht eine wichtige 

Die Nachhaltigkeitsaspekte, welche mit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusammenhängen, sind vor allem aus interner Sicht wesentlich. Wirtschaftliche Leistung, Finanzierung sowie Marketing sind die drei wesentlichen Aspekte in diesem Handlungsfeld. Vermutlich stehen hier zwei unterschiedliche Interpretationen gegenüber: Während sich die interne Perspektive eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung und starkes Marketing wünscht, versteht die externe Perspektive eine themen-getriebene, wenig aufdringliche und nicht nur auf das Geld gerichtete Beratungstätigkeit.

Ökologische Aspekte im Hintergrund

Kaum verwunderlich: ökologische Aspekte sind aus beiden Sichten eher sekundär. Dies kann mit dem Dienstleistungscharakter der Branche erklärt werden. Zudem sind die meisten Beratungsunternehmen relativ klein, so dass sie einen geringen CO2-Fußabdruck haben.

Wir haben die Ergebnisse intern diskutiert und die wesentlichen Punkte (blau getönt) als Anregung für unsere Unternehmensstrategie und Arbeitsalltag aufgenommen. Zudem möchten wir diese als Gelegenheit für den weiteren Stakeholder-Dialog nutzen.

 


Die CSR-Richtlinie ist beschlossene Sache. Das neue Gesetz verpflichtet große und kapitalmarktorientierte Unternehmen, Auskunft über ihre Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange zu geben. Wie sieht der Zeitplan aus und warum sollten betroffene Unternehmen möglichst schnell handeln?

Häufig wird davon gesprochen, dass die Berichtspflicht ab 2017 gilt. Das wird oft so verstanden, dass die Unternehmen dieses Jahr berichten müssen. Das trifft nicht ganz zu, denn sie müssen 2018 über das Berichtsjahr 2017 berichten. So gesehen ist die ‚Panikmache‘ nicht unberechtigt. Denn Unternehmen, die erstmals berichten, können ein Jahr Vorbereitungszeit gut gebrauchen. Es muss ein Prozess in Gang gesetzt werden, der bei dieser Unternehmensgröße sehr aufwendig sein könnte. Kurzum: diese Firmen haben weniger als ein Jahr Zeit, um sich vorzubereiten. Das ist beim Großteil der Betroffenen aber nicht der Fall, da die meisten ja bereits erfahrene Berichterstatter sind.

 

Einige größere Unternehmen erfüllen die Vorgaben des Gesetzes bereits jetzt. Gibt es hierzu Standards, an denen sich Firmen orientieren können?

 Ja. Im Kommentar zum Gesetzentwurf wurden einige Standards als Orientierung für die Unternehmen genannt. Dabei dürfen die Firmen frei entscheiden, ob und welchen Standard sie nutzen. Sie müssen sicherstellen, dass alle Aspekte der Berichterstattung vom jeweiligen Rahmenwerk abgedeckt sind. Und das ist tatsächlich der Fall bei nur zwei Standards: Dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) der Bundesregierung und den Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Diese erfüllen weitgehend die Berichtspflicht.

Im Fall des DNK wurde das sogar juristisch geprüft. Das heißt, Unternehmen, die eine DNK-Entsprechenserklärung abgeben, erfüllen automatisch die Berichtspflicht. Der DNK ist für Mittelständler und Einsteiger geeignet, während der GRI-Standard für große, international agierende Unternehmen angedacht ist. Die Grenze ist in den vergangenen Jahren immer fließender geworden. Zum einen etabliert sich der DNK als die abgespeckte Alternative zum GRI-Standard in anderen europäischen Ländern. Zum anderen nutzen auch viele Mittelständler die GRI-Leitlinien, da sie international tätig sind und ihre Kunden das erwarten. Beide Werke haben ihre Vorteile, die im Einzelfall abzuwägen sind.

 

Über ihre Geschäftsbeziehungen zu berichtspflichtigen Unternehmen werden auch kleine und mittlere Betriebe verpflichtet, Nachhaltigkeitsaussagen offen zu legen. Wie können diese der geforderten Berichtspflicht nachkommen und gleichzeitig die bürokratischen Lasten in Grenzen halten?

Wenn wir es genau nehmen, werden diese nicht ‚de jure‘, sondern ‚de facto‘ betroffen sein. Der Gesetzgeber hat explizit versucht, den Kreis der Betroffenen so einzugrenzen, dass der Mittelstand nicht direkt, also ‚de jure‘ betroffen ist. In der Realität wird jedoch bereits darüber berichtet, dass sich viele Mittelständler – als Lieferanten von berichtspflichtigen  Großunternehmen – mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Entweder wird die Berichterstattung als Bedingung für die Weiterführung der Geschäftsbeziehungen gestellt oder sie wollen aus Wettbewerbsgründen herausstechen bzw. nicht negativ auffallen. Dadurch kann eine ganze Branche in Bewegung geraten: Gerade im Automobil- und Maschinenbau ist das tatsächlich der Fall, auch wenn wir es hier in der Regel mit business-to-business zu tun haben. Die Lieferketten von verbrauchernahen Branchen wie Textil oder Ernährung werden laut Experten am stärksten betroffen sein.

 

Kritiker sagen, dass die CSR-Berichtspflicht nur konzipiert worden sei, weil Unternehmen nicht anders zur Wahrung von Menschenrechten, sozialen Standards, Nachhaltigkeit und Korruption zu bewegen seien. Haben diese mit ihrer Vermutung Recht?

Ja und nein. Ja, weil einige Unternehmen eine pragmatische Haltung verfolgen und sich erst dann mit den nicht finanziellen Aspekten ihrer Geschäftstätigkeit auseinandersetzen werden, wenn sie es müssen. Auslöser muss nicht unbedingt die Gesetzgebung sein – auch Anstöße durch Märkte, Investoren sowie Verbraucher haben bereits dazu geführt, dass viele  Unternehmen, sozusagen freiwillig, über ihre Nachhaltigkeitsleistungen berichten. Nein, weil gerade viele der berichtspflichtigen Unternehmen mittlerweile Berichtsprofis sind – sie haben frühzeitig erkannt, dass Nachhaltigkeitsberichte auch andere Mehrwerte schaffen können.

 

Bei CSR geht es um mehr, als hier und da für einen guten Zweck zu spenden. Es geht darum, den Unternehmensgewinn auf sozial und ökologisch verantwortliche Weise zu erwirtschaften und langfristig im Unternehmen zu binden. Können Sie positive eispiele aus der Region benennen?

Das wäre jetzt ein bisschen unfair, da wir Gefahr laufen, immer dieselben Namen zu nennen. Das möchte ich vermeiden. Manche Unternehmen machen viel, ohne darüber zu kommunizieren oder einen Bericht zu schreiben. Diese geraten oft außer Acht. Solchen versuchen wir dann ans Herz zu legen, ihre Aktivitäten nach außen zu tragen. Das bringt positive Aufmerksamkeit.

Aber noch zwei weitere Gedanken dazu: In der aktuellen Debatte bezieht sich CSR auf die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen vor Ort und stellt nur einen Teilaspekt von Nachhaltigkeit dar. Bei der CSR-Berichtspflicht geht es jedoch um die breite Palette an Nachhaltigkeitsthemen. Das ist für Unternehmen oft verwirrend. Zum anderen: Unternehmen können auch andere Wege als die der Berichterstattung wählen, um ihre Themen zu kommunizieren und zu positionieren. Berichterstattung ist nur eine Möglichkeit, sich zunächst selbst damit zu befassen und erst dann nach innen und außen zu kommunizieren. Idealerweise ist der Bericht ein Strategiewerkzeug für die Geschäftsführung, das langfristige Orientierung gibt. So aufgestellt, ist die Berichterstattung der beste Weg, mit den wichtigen Anspruchsgruppen in einen ehrlichen Dialog zu treten bezüglich Risiken, Chancen, Strategie und Zielen.

 

Gerade in Ostwestfalen sind viele Familienunternehmen beheimatet. Die meisten davon sind eher zurückhaltend in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und sehen gesellschaftliches Engagement als etwas Selbstverständliches an. Warum sollten sie trotzdem darüber reden?

Weil sie es können! Viele überwinden ihre Hemmungen, wenn sie merken, dass die Wettbewerber an der Stelle aktiver sind. Zudem unterschätzen viele Mittelständler, was sie schon alles ‚in der Tasche‘ haben: Umweltmanagementsysteme, Compliance-Richtlinien oder Lieferanten-Checks. Neben dem lokalen Engagement und der Mitarbeiterorientierung decken diese Dinge die wesentlichen Themen der Berichterstattung ab. Klar, dass diese systematisiert und strukturiert werden sollten, weil die Berichterstattung nur so wirklich etwas bringt.

 

Interview mit Samuil Simeonov (Ostwestfälische Wirtschaft, Ausgabe 05.2017, S.44-46)


Der Nationale Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“ wurde am 21. Dezember 2016 von der Bundesregierung veröffentlicht. Auch wenn er im Schatten der CSR-Berichtspflicht steht, könnte er weitreichende Konsequenzen für ca. 6.000 deutsche Unternehmen haben.

 

Herausforderung: Menschenrechtsstandards in der gesamten Lieferkette etablieren

Deutsche Unternehmen sind global so stark vernetzt wie kaum ein anderes Land. Ihre Liefer- und Wertschöpfungsketten erstrecken sich über mehrere Länder. Sie sind daher oft so komplex, dass Unternehmen selbst kaum durchblicken, wo und wie Ihre Lieferanten herstellen.

Die Herausforderung: In vielen Ländern werden die in Deutschland vorherrschenden Menschen- und Arbeitsrechtsstandards bei weitem nicht eingehalten. Das Thema betrifft neben Großkonzernen auch einen erheblichen Teil vom deutschen Mittelstand. Allerdings ist diese Herausforderung vielen Unternehmen nicht bewusst bzw. wird nicht als solche wahrgenommen.

 

Der NAP ist kein Gesetz, könnte aber eins werden

Das will die Politik mit dem Nationalen Aktionsplan (NAP) Wirtschaft und Menschenrechte ändern. Ziel ist es, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte für alle Akteure anwendbar zu machen. Die 31 handlungsleitenden Prinzipien beziehen sich auf drei Säulen:  (I) protect, d.h. die Pflicht des Staates zum Schutz der Menschenrechte, (II) respect, d.h. die unternehmerische Verantwortung zur Achtung der Menschenrechte und (III) remedy, d.h. Abhilfe für Menschenrechtsverletzungen schaffen. Für Unternehmen sind die letzten zwei Säulen relevant.

Viele fragen sich, was die Bundesregierung damit bezwecken möchte. Grundsätzlich wird erwartet, dass sich alle Unternehmen ihre Verantwortung zur menschenrechtlichen Sorgfalt bewusst werden und diese aktiv tragen. Zielgruppe sind jedoch die größten Unternehmen: alle knapp 6.000 deutschen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern. Im Gegenteil zur CSR-Berichtspflicht ist hier weder Umsatz noch Rechtsform relevant.

Die Bundesregierung will bis 2020 die menschenrechtlichen Sorgfaltsprozesse in ca. 50% der betroffenen Unternehmen stichprobenartig prüfen. Dieses „Monitoring“ wird ab 2018 in Angriff genommen. Sollte das Ergebnis die Ziele verfehlen, behält sich der Gesetzgeber die Möglichkeit, Alternativen in Betracht zu ziehen. Verbindliche Regulierung ist in diesem Fall nicht ausgeschlossen.

 

Was können und sollten Sie und Ihr Unternehmen tun?

Zunächst sollten Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich dazu positionieren. Der NAP ist im Grunde genommen ein freiwilliges Instrument. Gerade wenn Sie mehr als 500 Mitarbeiter haben, ist es ratsam, sich zumindest dem Thema anzunähern und z.B. Ihren Bedarf zu den fünf Bereichen (s.u.) zu ermitteln. So wüssten Sie im Fall einer Regulierung, wo Sie stehen und was zu tun ist. Empfehlenswert ist es jedoch sich aktiv an das Thema einzuarbeiten und die Synergien mit anderen bereits bestehenden Prozessen und Strukturen in Ihrem Unternehmen zu verbinden. Veröffentlichen Sie einen CSR-Bericht, ist dies sowieso selbstverständlich. Um Ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht zu erfüllen, sind im NAP die folgenden fünf Bereiche zu beachten (s. Abbildung).

 

Quelle: Deutsches Global Compact Network (2017)

 

Wo bekommen Sie Hilfe?

Neben einer Reihe von Schulungs- und Beratungsangeboten der Bundesregierung sowie die Einführung von Brancheinitiativen, bieten wir Ihnen an, uns anzusprechen. Wir werden Sie dabei unterstützen, Ihre eigenen Ziele zu setzen und bei Bedarf deren Umsetzung zu begleiten.


Wasser predigen und Wasser trinken. Unter diesem Motto haben wir Ende letzten Jahres eine Umfrage zum Thema „Nachhaltigkeit in der Nachhaltigkeitsberatungsbranche“ mit unseren wichtigsten Anspruchsgruppen durchgeführt.

Zwei Ziele haben wir dabei verfolgt: Zum einen wollten wir die Ergebnisse für die Erstellung einer Wesentlichkeitsanalyse nutzen. Diese ist wiederum in unsere Unternehmensstrategie und DNK-Erklärung eingeflossen. Zum anderen ist die Idee, durch die Verbreitung der Ergebnisse auf unserer Webeseite und auf anderem Wege eine Diskussion – intern und extern – in Gang zu setzen.

Warum? Wir wollen langfristig selbst ein nachhaltiges Unternehmen sein. Weil Glaubwürdigkeit und Transparenz für uns wichtig sind. Aber auch weil wir uns davon einen Mehrwert in jeglicher Hinsicht versprechen.

Wir haben vier Fragen gestellt und 27 Personen aus unterschiedlichen Hintergründen haben sich daran beteiligt. Auf den ersten Blick scheint das wenig repräsentativ. Jedoch geben die Antworten von 27 Stakeholdern wichtige Hinweise über die Wahrnehmung von Nachhaltigkeitsberatern und können als Diskussionsanstoß dienen.

Fortsetzung folgt.