Als aktiver Partner des BVMW Osnabrück haben wir am 31. August 2017 zwei Workshops zum Thema nachhaltige Innovationen durchgeführt. Die durchweg positiven Rückmeldungen freuen uns sehr. Zudem haben sich als Produkt der kollektiven Intelligenz mindestens drei Thesen herauskristallisiert, welche zum Umdenken und Handeln beitragen könnten.

Im Rahmen der Innovationsoffensive „Mittelstand und Gründer“ hat auch der BVMW Osnabrück eine Veranstaltung am 31. August 2017 durchgeführt. In unseren zwei Workshops haben wir uns mit der Frage beschäftigt: Wie nachhaltig sind eigentlich E-Autos?

Bei der Beantwortung  der Frage haben wir vier Perspektiven herangezogen: Kunden, Umwelt, Gesellschaft und Lieferanten. Spannend fanden die Teilnehmer unter anderem das Zusammenbringen der positiven und negativen Auswirkungen aus den unterschiedlichen Sichtweisen. Dabei haben wir drei Thesen formuliert, die als Gesamtergebnis der Workshops dienen.

These 1: E-Autos sind eine Lösung! Aber nur für den nachhaltigen Individualverkehr.

E-Autos  adressieren die Herausforderung der individuellen Mobilität. Die systemische Herausforderung der nachhaltigen Mobilität können diese nicht lösen. Eine ganzheitliche nachhaltige Mobilität umfasst viel mehr als die Umstellung auf Elektromobilität. Diese soll auch möglichst klimaneutral gestaltet werden. Dafür sind Infrastruktur, alternative Mobilitätskonzepte (z.B. carsharing) und vor allem eine Einbindung der Akteure entlang der gesamten Lieferkette ausschlaggebend. Auch soziale Aspekte, z.B. Schaffung zukunftsfähiger bzw. Minimierung des Verlusts klassischer Arbeitsplätze, spielen hierzu eine wichtige Rolle.

These 2: E-Autos sind ein großer Schritt in die richtige Richtung. Wir könnten und sollten jedoch einen Schritt weiter denken.

Wenn E-Autos nur ein Teil der Lösung sind, sollten wir vielleicht systemisch denken. Das heißt, wir betrachten E-Autos als eine kurze Zwischenstation in Richtung nachhaltiger Mobilität. Die Digitalisierung stellt hier eine Chance dar. Mit Hilfe digitaler Medien lassen sich komplexe Systeme besser erfassen und analysieren. So können die Lösungen für größere Herausforderungen wie diese abgeleitet und umgesetzt werden.

These 3: Mit oder ohne uns, E-Autos sind im Kommen. Wir müssen mitgehen.

Für alle wichtigen Anspruchsgruppen stellt sich Bildung als der Schlüssel auf dem Weg zur nachhaltigen Mobilität dar. Das Fehlen von Wissen und Knowhow über E-Autos kann und muss von neuen Studiengängen im Hochschul- und Berufsschulbereich verbessert werden. Voraussetzung dafür ist die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen Autoherstellern, Politik, Wissenschaft, Lieferanten und NGOs. Die Zusammenarbeit wird helfen, das  bereits bestehende Wissen und Knowhow in bestehende oder ganz neue Fächer und Studiengänge zu integrieren.

Die wichtigsten Aspekte für die diversen Anspruchsgruppen

  • Kunden

Die große Herausforderung ist das Preis- Leistungsverhältnis. Zusätzlich besteht das Problem der mangelnden Infrastruktur für das Halten eines E-Autos.  Gleichwohl wird das E-Auto auf politischer Ebene nicht nur gefördert, sondern mittlerweile auch gefordert (Stichwort „E-Auto-Quote“). Was dies für Kunden und Verbraucher bedeutet ist noch unklar. Der Ausbau der Infrastruktur  deutet jedoch auf einen Trend hin. Dazu kommt, dass E-Auto als Statussymbol gesehen werden kann.

  • Umwelt

Das größte Problem aus der Umweltperspektive stellen die E-Auto- Batterien dar. Dies bezieht sich weniger auf die Nutzung sondern auf die Herstellung und Entsorgung der Batterien. Hier sollten Wissenschaft und Unternehmen, aber auch Lieferanten, Kunden und NGOs einbezogen werden, um Lösungen zu finden und diese später politisch zu werben.

  • Gesellschaft

Wichtigster Aspekt ist der mögliche Wegfall von „klassischen“ Arbeitsplätzen in der Automobilbranche. Allerdings werden gleichzeitig Arbeitsplätze in neuen Sektoren entstehen. Der Aufbau neuer Arbeitsplätze hängt zudem stark mit dem Wissensstand von Ingenieuren und Handwerkern zusammen. Die Herausforderung dabei ist, dass das technische Wissen über das E-Auto noch wenig ausgeprägt ist.

  • Lieferanten

Die Anpassung der Lieferanten ist die größte Herausforderung. Umschulung und Weiterbildung der Mitarbeiter sind bei der Umsetzung neuer Infrastrukturmaßnahmen existenziell und könnten für Lieferanten überlebenswichtig sein. Das Missachten dieses Trends könnte darüber hinaus zu Entlassungen und starkem Wettbewerbsdruck führen.


Ende 2016 haben sich 27 Stakeholder an unserer Umfrage zum Thema „Nachhaltigkeit in der Nachhaltigkeitsberatungsbranche“ beteiligt. Eine der Fragen bezog sich auf die wesentlichen Themen und Aspekte der Geschäftstätigkeit von Nachhaltigkeitsberatern. Die Ergebnisse im Überblick

Kundenthemen an der Spitze

Sowohl aus externer als auch aus interner Sicht sind vor allem zwei Kundenthemen hervorzuheben: Transparenz von Produkten und Dienstleistungen und Schutz von Kundendaten. Zum einen sind dies zwei typische Themen für Nachhaltigkeitsberater. Zum anderen – und das ist immer die Spannung in der Branche – stehen Transparenz und Vertraulichkeit in Widerspruch. Dies bezieht sich unter anderem auf den Wunsch vieler Geschäftspartner, die Art und den Umfang der in Anspruch genommenen Leistungen vertraulich zu behandeln und das Bestreben der Nachhaltigkeitsberater mit ihren Referenzen nach außen zu werben.

Arbeitnehmerthemen dicht daran

Von den arbeitnehmerbezogenen Aspekten wird vor allem das Thema Beschäftigung und Beschäftigungsverhältnisse für sehr wichtig empfunden. Dies hängt möglicherweise mit dem Ruf von Beratungsunternehmen und Agenturen zusammen, viel von ihren Mitarbeitern abzuverlangen. Zudem wurden aus externer Sicht die Themen Vielfalt und Chancengleichheit sowie Aus- und Weiterbildung als sehr relevant bewertet.

Wirtschaftliche Faktoren spielen aus interner Sicht eine wichtige 

Die Nachhaltigkeitsaspekte, welche mit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusammenhängen, sind vor allem aus interner Sicht wesentlich. Wirtschaftliche Leistung, Finanzierung sowie Marketing sind die drei wesentlichen Aspekte in diesem Handlungsfeld. Vermutlich stehen hier zwei unterschiedliche Interpretationen gegenüber: Während sich die interne Perspektive eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung und starkes Marketing wünscht, versteht die externe Perspektive eine themen-getriebene, wenig aufdringliche und nicht nur auf das Geld gerichtete Beratungstätigkeit.

Ökologische Aspekte im Hintergrund

Kaum verwunderlich: ökologische Aspekte sind aus beiden Sichten eher sekundär. Dies kann mit dem Dienstleistungscharakter der Branche erklärt werden. Zudem sind die meisten Beratungsunternehmen relativ klein, so dass sie einen geringen CO2-Fußabdruck haben.

Wir haben die Ergebnisse intern diskutiert und die wesentlichen Punkte (blau getönt) als Anregung für unsere Unternehmensstrategie und Arbeitsalltag aufgenommen. Zudem möchten wir diese als Gelegenheit für den weiteren Stakeholder-Dialog nutzen.

 


9 Veranstaltungen und 165 Teilnehmer: Das ist unsere DNK-Bilanz im Nordwesten für die erste Hälfte 2017. Fünf Dinge, die wir unter’m Strich gelernt haben.

1. Der Nachhaltigkeitskodex gewinnt an Fahrt: Immer mehr Unternehmensvertreter kennen den Kodex und können diesen einordnen. Der Klärungsbedarf darüber, was der DNK ist, ist seit 2015 wesentlich gesunken. Ein Grund ist sicherlich die allgemeine Entwicklung der Nachhaltigkeitsdebatte. Ein weiterer Grund ist die CSR- Berichtspflicht, die im Mittelstand große Resonanz findet. Nicht zuletzt haben wir als der führende DNK-Schulungspartner im Nordwesten mit unseren eigenen Aktivitäten auch dazu beigetragen.

2. Ein bunter Teilnehmermix bereichert die Debatte: Handwerk, Industrie und Dienstleistung : Alle waren bei unseren Veranstaltungen vertreten, unabhängig von der Größe, Branche und Rechtsform: Ein Start-up für Digital Leadership und ein Ein-Mann-Unternehmen für nachhaltige Mobilität, eine gemeinnützige Pflegeeinrichtung, ein regionaler Verband, Unternehmenstöchter einer Kommune, Mittelständler jeglicher Rechtsform und Größe, Töchter von internationalen und berichtspflichtigen Unternehmen, Pioniere und Konventionalos. Dadurch wird klar, welche Kreise das Thema Nachhaltigkeit schlägt!

3. Die Lieferketten spüren den Druck: Die Hälfte der Teilnehmer arbeiten zusammen mit Großunternehmen. Auf Grund der wachsenden Kundenanforderungen in Form von Checklisten und Lieferantenbewertungen sind viele Unternehmen auf der Suche nach Werkzeugen, die aus der ganzen Arbeit einen höheren Nutzen ziehen. Gerade Vertreter der Maschinenbau- und Automobilbranche sind sehr für das Thema sensibilisiert.

4. Kunden sind der Haupttreiber – dann kommen Mitarbeiter und Wettbewerber: Die meisten Teilnehmer in unseren Veranstaltungen begründen ihre Teilnahme mit den Kunden bzw. den Verbrauchern, wenn sie Konsumgüter produzieren. Zudem wollen viele bei der Haltung bzw. Gewinnung von Mitarbeitern punkten und sich im Wettbewerb bzw. in der Branche mit Nachhaltigkeit positionieren.

5. Es kommen öfter diejenigen, die wir nicht erwarten: Im Rahmen unserer Veranstaltungen haben wir nur ein direkt von der CSR-Berichtspflicht betroffenes Unternehmen. Die meisten Teilnehmer kommen aus dem Mittelstand. Oft sind das sogar Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern, die nach einem Werkzeug suchen, mit dem sie ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten strukturieren und bündeln können. So können sie gut mit den Kunden, den Mitarbeitern und der breiten Öffentlichkeit kommunizieren.

Seit 2015 sind wir Schulungspartner zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex der Bundesregierung. Durch eigene Veranstaltungen und Kooperationen mit regionalen Akteuren (Kammern, Wirtschaftsförderern, etc.) und Verbänden verbreiten wir den DNK im Nordwesten  und wollen damit einen Beitrag zu Nachhaltigkeit in der Region leisten: Für Mensch, Umwelt und für die Wirtschaft selbst. Das ist unsere Mission, denn nachhaltiges Wirtschaften ist alternativlos!


Anfang Mai 2017 hat der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) einen neuen Meilenstein erreicht: Sieben Jahre nach seiner Geburtsstunde haben 200 Unternehmen 388 Entsprechenserklärungen veröffentlicht.

200 Unternehmen und 388 Entsprechenserklärungen. Diese Bilanz nach sieben Jahren Existenz mag für manche wenig klingen. Jedoch mausert sich der DNK vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung zur wahren Alternative des globalen GRI-Standards, insbesondere für Einsteiger und Mittelständler. Auch jenseits von Deutschland!

Zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Der DNK ist der schlankste Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Er wurde 2010 im Rahmen eines Multistakeholder-Prozesses entwickelt. Sein 20 Kriterien, die in vier Bereiche gegliedert sind (Strategie, Prozess, Umwelt und Gesellschaft) und die dazu gehörenden Indikatoren wurden von anderen Standards übernommen. Somit ist der DNK anschlussfähig an die gängigsten Managementsysteme. Auf diese Weise will der Rat für Nachhaltige Entwicklung einen möglichst niedrigen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung schaffen. Vor allem für Mittelständler.

Der DNK ist jedoch mehr als ein bloßer Berichtsstandard. Er kann für diverse Zwecke genutzt werden: Als Einstiegswerkzeug in das Nachhaltigkeitsmanagement, als Werbemittel für Arbeitgeberattraktivität oder als Marketinginstrument bei Großkunden, Lieferanten und Investoren. Nebenbei erfüllt er als einziger Standard  per se die CSR-Berichtspflicht  ab 2017 für Großkonzerne, Versicherungen und Banken.

Ein paar Zahlen

Die 200 Unternehmen haben 388 Entsprechenserklärungen veröffentlicht. Dies macht knapp zwei DNK-Erklärungen pro Unternehmen. Die meisten Unternehmen haben nur eine DNK-Erklärung veröffentlicht. Dabei ist die Anzahl der veröffentlichten Erklärungen pro Jahr (bzw. Berichtsjahr) im Laufe der Zeit gestiegen (siehe Grafik).

 

*Stand: 8. Mai 2017

 

Die DNK-Anwender gehören den gängigsten Branchen an. Auch die Unternehmensgröße und -rechtsform ist relativ heterogen. Von den größten Konzernen bis zum Ein-Mann-Unternehmen ist alles dabei.

Tendenz steigend

Wir gehen davon aus, dass der DNK weiterhin an Bedeutung gewinnen und die Anzahl der DNK-Erklärungen pro Jahr weiter steigen wird. Dafür sprechen mindestens vier Gründe:

  1. CSR-Berichtspflicht: Viele der berichtspflichtigen Unternehmen (ca. 550 in Deutschland) werden wahrscheinlich den DNK als Einstiegsformat ihrer Berichterstattung wählen. Zudem werden viele Konzerne, Banken und Versicherungen ihre Lieferanten bzw. Kunden – meistens Mittelständler – selbst in die Pflicht nehmen. Sei es um ihre Lieferkette transparent zu gestalten oder die Risiken auf die Lieferanten abzuwälzen.
  2. Themenvielfalt: Nachhaltigkeit wird längst nicht mehr nur mit grünen Aspekten assoziiert. Themen wie Lieferkettenmanagement, Korruption und Menschenrechte rücken immer mehr in den Vordergrund. Sowohl Konzerne als auch Mittelständler werden sich damit auseinandersetzen und darüber kommunizieren müssen. Der DNK bietet ihnen eine schlanke Option.
  3. Anschlussfähigkeit: Der DNK ist anschlussfähig an andere Standards und Managementsysteme. So berichten etwa 80 der DNK-Anwender zusätzlich nach dem GRI Standard (vor allem große Unternehmen), dem führenden Berichtsstandard. Andererseits können Umweltmanagementsysteme mit dem DNK erweitert werden. Viele DNK-Anwender haben ein Umweltmanagementsystem und nutzen den Nachhaltigkeitskodex, um ihre umweltpolitischen Strategie, Maßnahmen und Ziele gesondert zu kommunizieren. So sind ca. 25 Anwender EMAS validiert und etwa 40 Unternehmen nach der ISO 14001 zertifiziert.
  4. Internationalisierung: Als einziger Standard, welcher die CSR-Berichtspflicht erfüllt, stellt die „Übersetzung“ des DNK für viele europäische Staaten ohne eigene Lösungen eine sehr interessante Option dar. Denn die Berichtspflicht betrifft ca. 6.000 europäische Unternehmen. Nach Angaben des Nachhaltigkeitsrates werden bereits Gesprächen mit etlichen (nicht nur) europäischen Ländern geführt. Griechenland hat bereits 2016 als erstes Land eine eigene DNK-Version veröffentlicht.

 


Die Berichtspflicht über nicht-finanzielle Informationen (sog. CSR-Berichtspflicht) richtet sich an große, kapitalmarktorientierte Unternehmen. Sie kann aber auch viele Mittelständler als Lieferanten betreffen. Nun gilt es: das Beste daraus zu machen!

Die CSR-Berichtspflicht ist seit Anfang März 2017 endlich deutsches Recht geworden. Was bedeutet sie für Ihr Unternehmen? Drei Fakten:

Fakt 1: Die wenigsten Mittelständler sind direkt von der CSR-Berichtspflicht betroffen!

Laut Gesetz sind nur große, kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen berichtspflichtig. Darunter fallen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern sowie € 40 Millionen Umsatz oder einer Bilanzsumme von über € 20 Millionen.

In Deutschland wird die Anzahl der direkt betroffenen Unternehmen auf knapp 550 geschätzt. Dazu gehören vor allem börsennotierte Aktiengesellschaften, Banken und Versicherungen. Im Gegensatz zur europäischen Richtlinie sind in Deutschland auch haftungsbeschränkte Personengesellschaften (GmbH & Co. KG) sowie Genossenschaften betroffen, sobald sie mit Wertpapieren handeln. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung kann die Anzahl der Berichtspflichtigen weitaus geringer ausfallen. Denn Tochterunternehmen können befreit werden, wenn der Mutterkonzern bereits berichtet.

Fakt 2: Mittelständler können als Zulieferer von Großunternehmen doch mittelbar betroffen werden.

Die Krux ist die Lieferkette: denn große Unternehmen müssen über wesentliche ökologische und soziale Aspekte bzw. Risiken ihrer Lieferkette berichten. In diesem Fall werden große Unternehmen die „Unterstützung“ ihrer Lieferanten brauchen, um an die Daten zu kommen. Es kommt in der Praxis bereits vor, dass Nachhaltigkeitsoffenlegung als zusätzliches Kriterium für die Weiterführung von Geschäftsbeziehungen zwischen Kunden und Lieferanten herangezogen wird.

An dieser Stelle sei betont: nicht jede Branche wird gleichermaßen betroffen sein. Zum einen spielt die Nähe zum Verbraucher eine Rolle: In der Textil- und in der Ernährungsindustrie wollen Verbraucher schon längst wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie hergestellt wurden. Das neue Gesetz wird diesem Trend zusätzlichen Aufwind geben. Zum anderen ist zu erwarten, dass Automobil- und Maschinenbauzulieferer auch zu mehr Rechenschaft in Sachen Nachhaltigkeit gezogen werden. Grund ist, dass die meisten Konzerne dieser Branche groß und kapitalmarktorientiert sind.

Fakt 3: Die Berichtspflicht bietet viele Chancen für KMU

Wie jede gesetzliche Auflage ist die CSR-Berichtspflicht eine zusätzliche Last für die direkt und indirekt betroffenen Unternehmen. Der Erfüllungsaufwand (Zeit, Personal und Geld) kann je nach Stand der Dinge im Unternehmen stark variieren. Einsteiger haben da in der Regel mehr nachzuholen. Das gilt insbesondere für Mittelständler!

Selbst nach zeitlicher Verzögerung ist die CSR-Berichtspflicht deutsches Recht geworden. Daran kann keiner mehr etwas ändern. Daher gilt es nun, das Beste daraus zu machen, denn die Pflicht birgt diverse Chancen für Unternehmen. Daher sind auch kleinere und mittelständische Unternehmen gut beraten, sich zum Umgang mit dem Thema auseinanderzusetzen. So können sie bei einer möglichen Ausweitung des Anwenderkreises in Zukunft schneller reagieren. Gerade Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sollten sich schon mit dem Thema befassen.

Ein gutes Werkzeug für Ersteinsteiger ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) der Bundesregierung. Dieser ist leicht verständlich und mit dem niedrigsten Aufwand im Vergleich zu allen Standards verbunden. Zudem ist der DNK der einzige Standard, welcher die CSR-Berichtspflicht per se erfüllt. Das hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung bereits juristisch geprüft.

 


Wasser predigen und Wasser trinken. Unter diesem Motto haben wir Ende letzten Jahres eine Umfrage zum Thema „Nachhaltigkeit in der Nachhaltigkeitsberatungsbranche“ mit unseren wichtigsten Anspruchsgruppen durchgeführt.

Zwei Ziele haben wir dabei verfolgt: Zum einen wollten wir die Ergebnisse für die Erstellung einer Wesentlichkeitsanalyse nutzen. Diese ist wiederum in unsere Unternehmensstrategie und DNK-Erklärung eingeflossen. Zum anderen ist die Idee, durch die Verbreitung der Ergebnisse auf unserer Webeseite und auf anderem Wege eine Diskussion – intern und extern – in Gang zu setzen.

Warum? Wir wollen langfristig selbst ein nachhaltiges Unternehmen sein. Weil Glaubwürdigkeit und Transparenz für uns wichtig sind. Aber auch weil wir uns davon einen Mehrwert in jeglicher Hinsicht versprechen.

Wir haben vier Fragen gestellt und 27 Personen aus unterschiedlichen Hintergründen haben sich daran beteiligt. Auf den ersten Blick scheint das wenig repräsentativ. Jedoch geben die Antworten von 27 Stakeholdern wichtige Hinweise über die Wahrnehmung von Nachhaltigkeitsberatern und können als Diskussionsanstoß dienen.

Fortsetzung folgt.


Fachkräfte werden knapper. Produkte in vielen Märkten werden austauschbar. Großkunden schauen immer öfter auf die Lieferkette. Doch was tun?

Nachhaltigkeitskommunikation ist an dieser Stelle eine mögliche Antwort. Dabei geht es nicht um Greenwashing, sondern um das ehrliche und transparente Kommunizieren von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte. Nachhaltigkeitskommunikation kann auf drei Wegen das Unternehmensimage stärken:

  1. Arbeitgeberattraktivität: Zukunftsfähige Unternehmen sind auf Fach- und Führungskräfte angewiesen. Das Unternehmensimage spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. So bewerten Absolventen und Studenten „Image“ auf Platz 3 mit 76% vor „Bezahlung“ mit 72%. Zudem möchten 80% der Deutschen für Unternehmen mit nachweislichem gesellschaftlichem Engagement arbeiten.
  2. Wettbewerbsfähigkeit: Qualität, Nutzen und Preis reichen in vielen Märkten nicht mehr aus. Produkte sind teilweise so ähnlich, dass Konsumenten andere Differenzierungsmerkmale brauchen. Gerade bei geringen Preisunterschieden bevorzugen Verbraucher Unternehmen mit einem besseren, d.h. glaubwürdigen Nachhaltigkeitsimage. Auch wenn nur ein Teil der Produkte komplett nachhaltig sind, honorieren Verbraucher die Veränderungsprozesse in solchen Unternehmen. Der Umsatz kann dadurch bis zu 13% steigen.
  3. Compliance: Wer mit Großkunden arbeitet, muss oft endlose Checklisten ausfüllen. Die ab 2018 kommende Berichtspflicht über nichtfinanzielle Informationen für kapitalmarktorientierte Unternehmen (CSR-Berichtspflicht) wird diesen Trend verschärfen. Lieferanten mit gutem Nachhaltigkeitsimage bergen weniger Risiken. Außerdem haben sie bereits die Zahlen und Daten – in Nachhaltigkeitsberichten – die ihre Kunden für die Berichtspflicht brauchen.

Die Kommunikation über ökonomische, ökologische und soziale Aspekte kann das Unternehmensimage langfristig stärken. Diese muss jedoch glaubwürdig sein: Verbraucher und Kunden erwarten weniger ein Idealbild und vielmehr den offenen Umgang mit Chancen und Risiken. Zudem fördert die Berichterstattung ein Umdenken, das durch Kosteneinsparungen und Lerneffekte einen wesentlichen Mehrwert bringt.

 

 


„Die Wettbewerbsfähigkeit und die Welt verbessern? – Nachhaltigkeitsstrategien für die nordrheinwestfälische Lebensmittelwirtschaft“: unter diesem Motto hat die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) eine Kooperation mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) ins Leben gerufen. Ziel ist es, NRW-Branchenvertreter auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Der Auftakt war am 31. August 2016 in Düsseldorf. Im Rahmen der Kooperation werden Praxisworkshops zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) mit Unternehmen der NRW-Lebensmittelwirtschaft in unterschiedlichen Städten durchgeführt. Die Praxisworkshops führen wir als zertifizierter DNK-Schulungspartner gemeinsam mit dem Netz Ingenieurbüro GmbH durch.

Drei Trends lassen sich bisher feststellen:

  1. Unternehmensgröße spielt keine Rolle: von Kleinstcaterer bis hin zu großen Lebensmittelproduzenten waren alle Unternehmensgrößen vertreten
  2. Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist oft Inhaber getrieben: nicht selten sitzen Vertreter der Geschäftsleitung selbst dabei.
  3. Der DNK wird sehr gut angenommen: die Unternehmen erhoffen sich dadurch vor allem Wettbewerbsvorteile und ein anwenderfreundliches Handwerkzeug, das das Groß an Zertifikaten und Managementsystemen bündelt.

Das Land NRW ist bundesweit der Vorreiter in dieser Initiative. Das ist ein Signal für die gesamte Branche, denn jeder sechste Betrieb der Ernährungsindustrie ist in NRW zuhause.

Wir freuen uns, dass die Rückmeldungen von allen Seiten bisher ausdrücklich positiv waren. Kein Wunder, dass die Fortführung der Initiative – auch in anderen Bundesländern – gewünscht ist. Neben Hessen und Bayern, wo DNK-Schulungen durchgeführt bzw. in konkreter Planung sind, sollen zunächst Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein folgen.

 


Große kapitalmarktorientierte Unternehmen im öffentlichen Interesse sowie große Banken und Versicherungen müssen zukünftig die Themen Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange, Menschenrechte sowie Korruption in ihren Berichten berücksichtigen. Über die Lieferkette können davon aber auch KMU betroffen sein.

Stärkung der Berichterstattung über ökologische und soziale Aspekte

Anfang März 2017 wurde das Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten von der Bundesregierung endlich verabschiedet. Die sog. CSR-Berichtspflicht betrifft große Unternehmen im öffentlichen Interesse, d.h. kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen mit mehr als 500 Mitarbeitern, deren Bilanzsumme 20 Millionen Euro oder Umsätze von 40 Millionen Euro überschreiten.

Die Krux an der Geschichte: Gegenstand der Regulierung sind auch wesentliche Aspekte und Risiken in der Lieferkette. So wird entgegen der Absicht des Gesetzgebers erwartet, dass viele Großunternehmen ihre Lieferanten und Händler – meistens KMU – in die Berichtspflicht einbeziehen werden oder müssen.

Was und wie muss berichtet werden?

Berichtspflichtige müssen ihre Konzepte, Ergebnisse und Risiken mit Bezug auf fünf Aspekte offenlegen: Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, Menschenrechte sowie Korruption und Bestechung. Zudem sollen große börsennotierte Unternehmen zu Diversitätsaspekten ihrer Leitungsorgane berichten. Hat das Unternehmen kein Konzept, ist das zu erläutern.

Unternehmen können die nichtfinanziellen Informationen als Beilage zum Lagebericht, als separaten Nachhaltigkeitsbericht oder auf der eigenen Webseite veröffentlichen. Als Orientierung schlägt der Gesetzgeber diverse Standards vor. Davon decken nur zwei die von der Berichtspflicht verlangten Aspekte ab: die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK).

Der DNK wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung entwickelt und etabliert sich bereits zum führenden deutschen Standard für Organisationen jeder Größe und Rechtsform. Er ist leicht verständlich, anwenderfreundlich und anschlussfähig an Managementsysteme sowie anderen Berichtsstandards. Mit seinem überschaubaren Aufwand eignet er sich insbesondere für Einsteiger und KMU.